Druckluft

Atemluft aus Druckluft: Anforderungen und Aufbereitung

Wo Beschäftigte aus einem Druckluftnetz atmen, beim Lackieren mit Frischluftmaske, beim Strahlen, in engen Räumen oder beim Befüllen von Atemschutzgeräten, wird aus einem technischen Medium plötzlich ein lebenswichtiges. Normale Werksdruckluft ist dafür nicht geeignet. Sie enthält Stoffe, die in der Lunge nichts zu suchen haben. Dieser Beitrag erklärt nüchtern, was Atemluft aus Druckluft erfüllen muss, welche Grenzwerte gelten und wie die Aufbereitung aufgebaut ist.

Warum normale Druckluft keine Atemluft ist

Druckluft entsteht durch Verdichten von Umgebungsluft, und dabei reichert sie an, was später gefährlich werden kann. Drei Quellen sind zu nennen:

  • Aus dem Kompressor: Öl als Aerosol und Dampf, Abrieb, bei Defekten auch Kohlenmonoxid aus Überhitzung.
  • Aus der Verdichtung: Wasser, das beim Abkühlen ausfällt, sowie eine Aufkonzentration vorhandener Schadstoffe.
  • Aus der Ansaugluft: Abgase, Lösemitteldämpfe oder Staub, je nachdem, wo der Kompressor ansaugt.

Besonders tückisch ist Kohlenmonoxid (CO). Es ist farb-, geruch- und geschmacklos, bindet sich an das Blut und kann schon in geringer Konzentration zu Bewusstlosigkeit führen, ohne Vorwarnung. Genau deshalb ist Atemluft streng geregelt. Wichtig ist auch eine Abgrenzung: Die Reinheitsklassen der ISO 8573 für industrielle Druckluft sind nicht dasselbe wie die Anforderungen an Atemluft. Eine gute ISO-8573-Klasse allein belegt keine Atemlufttauglichkeit, dafür gilt eine eigene Norm.

EN 12021: die Grenzwerte für Atemluft

Maßstab für Atemluft aus Druckgasen ist die DIN EN 12021 (Fassung 2014). Sie legt fest, was die Luft am Anschluss des Atemschutzgeräts einhalten muss. Die wichtigsten Werte zur Orientierung:

ParameterGrenzwert nach EN 12021 (Orientierung)
Sauerstoff (O2)etwa 21 Vol-%, im Bereich 20 bis 22 Vol-%
Kohlendioxid (CO2)höchstens 500 ml/m³
Kohlenmonoxid (CO)höchstens 5 ml/m³
Öl (Aerosol und Dampf)höchstens 0,5 mg/m³
Wassergehalt (Flaschen 40 bis 200 bar)höchstens 50 mg/m³
Wassergehalt (über 200 bis 300 bar)höchstens 35 mg/m³
Geruch und Geschmackfrei von auffälligem Geruch und Geschmack

Beim Wassergehalt gilt: Je höher der Speicherdruck, desto trockener muss die Luft sein, damit sie bei Entspannung nicht zu Eis- oder Kondensatbildung neigt. Bei Versorgung über eine Niederdruckleitung statt über Flaschen wird stattdessen auf den Drucktaupunkt abgestellt, der ausreichend unter der niedrigsten zu erwartenden Temperatur liegen muss. Diese Angaben sind eine fachliche Orientierung und ersetzen nicht den Blick in die gültige Norm und die einschlägigen Arbeitsschutzregeln (Stand 2026, im Einzelfall prüfen).

Die Aufbereitung Schritt für Schritt

Atemluft entsteht nicht im Kompressor, sondern in der nachgeschalteten Aufbereitung. Jede Verunreinigung hat ihren eigenen Abscheideschritt, und die Reihenfolge ist nicht beliebig: Grobes zuerst, Feinstes zuletzt.

VerunreinigungAufbereitungsschritt
Flüssiges Wasser, grobe PartikelAbscheider und Vorfilter
ÖlaerosolKoaleszenz-Feinfilter
Öldampf, Geruch, GeschmackAktivkohle-Adsorber
Kohlenmonoxid (CO)CO-Katalysator (Wandlung zu CO2)
RestfeuchteAdsorptionstrockner
FeinstpartikelEndfilter (Sterilfilter)

Der Kern ist eine mehrstufige Filterung: Erst werden Wasser und grobe Partikel abgeschieden, dann fängt ein Koaleszenzfilter das Ölaerosol, anschließend bindet Aktivkohle Öldampf sowie Geruchs- und Geschmacksstoffe. Ein CO-Katalysator wandelt Kohlenmonoxid in unkritisches CO2 um, ein Adsorptionstrockner senkt die Restfeuchte, und ein Endfilter hält Feinstpartikel zurück. Ob ein ölfrei verdichtender oder ein öleingespritzter Kompressor mit gründlicher Aufbereitung eingesetzt wird, ist eine Frage von Auslegung und Wirtschaftlichkeit, entscheidend ist immer die Qualität am Anschluss, nicht das Typenschild.

Überwachen, prüfen, dokumentieren

Eine Aufbereitung ist kein Bauteil, das man einmal montiert und vergisst. Filter und Aktivkohle erschöpfen sich, und ein verbrauchter Adsorber lässt Schadstoffe unbemerkt durch. Atemluftversorgung lebt deshalb von kontinuierlicher Überwachung und regelmäßiger Prüfung.

  • Laufende Messung: Geräte überwachen typischerweise CO, CO2, Sauerstoff und Drucktaupunkt, oft auch den Ölgehalt, mit Alarm bei Grenzwertüberschreitung.
  • Wiederkehrende Prüfung: Die Atemluftqualität wird in festgelegten Abständen nach EN 12021 gemessen und in einem Prüfprotokoll dokumentiert.
  • Ansaugstelle prüfen: Der Kompressor muss saubere Luft ansaugen, weit weg von Verkehr, Abgasen und Abluft, denn was angesaugt wird, lässt sich kaum wieder herausfiltern.
  • Wartung einhalten: Filterstandzeiten und Tauschintervalle gehören eingehalten und dokumentiert.

Die organisatorischen Pflichten ergeben sich aus dem Arbeitsschutz, etwa den Regeln der DGUV zum Atemschutz. Die genauen Anforderungen an Prüfung und Betrieb sind im Einzelfall mit den geltenden Vorschriften abzugleichen (Stand 2026, im Einzelfall prüfen).

Wo Atemluft aus Druckluft gebraucht wird

Atemluft aus Druckluft versorgt überall dort, wo Filtergeräte nicht ausreichen, weil zu wenig Sauerstoff oder zu viele Schadstoffe in der Umgebung sind:

  • Lackieren und Beschichten mit Frischluft-Atemschutzhaube,
  • Strahlarbeiten mit Strahlerhelm,
  • Arbeiten in engen Räumen, Behältern und Schächten,
  • Befüllen von Atemschutzgeräten und Druckluftflaschen.

In all diesen Fällen ist das Leitungsnetz Teil der Sicherheit. Atemluft sollte über ein eigenes, sauberes und korrosionsfreies Netz geführt werden, üblicherweise in Edelstahl, klar gekennzeichnet und nicht mit der allgemeinen Werksdruckluft vermischt. Eine Verwechslung der Anschlüsse oder ein verschmutztes Rohr macht die beste Aufbereitung zunichte. Die fachgerechte Planung und Ausführung solcher Netze gehört für uns zu den Druckluftleitungen, inklusive sauberer Kennzeichnung und dichter Verbindungen.

Häufige Fragen

Kann ich normale Werksdruckluft zum Atmen verwenden?

Nein. Werksdruckluft enthält in der Regel Öl, Wasser, Partikel und möglicherweise Kohlenmonoxid. Zum Atmen muss sie nach EN 12021 aufbereitet und überwacht werden. Eine vorhandene Druckluftleitung einfach an eine Atemschutzmaske anzuschließen, ist gefährlich und unzulässig.

Was ist der gefährlichste Bestandteil in der Atemluft?

Kohlenmonoxid (CO). Es ist nicht wahrnehmbar, bindet sich an das Blut und kann ohne Vorwarnung zu Bewusstlosigkeit führen. Deshalb verlangt die Aufbereitung einen CO-Katalysator und die laufende Überwachung eine CO-Messung mit Alarm.

Reicht ein ölfreier Kompressor für Atemluft aus?

Nein, nicht allein. Auch ölfrei verdichtete Luft kann über die Ansaugung Schadstoffe enthalten und ist nicht automatisch trocken und CO-frei. Für Atemluft sind Filterung, CO-Katalysator, Trocknung und Überwachung erforderlich, unabhängig von der Bauart des Kompressors.

Wie oft muss Atemluft geprüft werden?

Atemluft wird laufend überwacht und zusätzlich in wiederkehrenden Abständen nach EN 12021 gemessen und dokumentiert. Die genauen Intervalle richten sich nach den geltenden Arbeitsschutzregeln und der Anlage und sind im Einzelfall festzulegen (Stand 2026, im Einzelfall prüfen).

Atemluftversorgung mit MKH sauber umsetzen

Atemluft ist Sicherheitstechnik, und sie beginnt beim sauberen Leitungsnetz. Wir planen und bauen die Aufbereitung und ein eigenes, gekennzeichnetes Atemluftnetz so, dass am Anschluss die geforderte Qualität ankommt und sich nachweisen lässt. Schildern Sie uns Anwendung, Anzahl der Anschlüsse und Rahmenbedingungen, wir melden uns mit einer fachlichen Einschätzung. Einen Überblick geben unsere Leistungen, den direkten Draht finden Sie über das Kontaktformular.