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Dichtheitsprüfung von Rohrleitungen: Verfahren im Überblick

Die Dichtheitsprüfung einer Rohrleitung entscheidet darüber, ob eine Leckage rechtzeitig auffällt oder erst im Betrieb, wenn Medium austritt, ein Prozess stillsteht oder ein Gefahrstoff freigesetzt wird. Je nach Medium, Nennweite und Anforderung stehen unterschiedliche Prüfverfahren zur Verfügung, von der einfachen Druckabfallmessung bis zur hochempfindlichen Helium-Lecksuche. Dieser Beitrag ordnet die gängigen Verfahren der Dichtheitsprüfung ein, vergleicht ihre Empfindlichkeit und zeigt, wie Sie das passende Verfahren für Ihre Anwendung auswählen.

Festigkeitsprüfung und Dichtheitsprüfung: zwei getrennte Nachweise

Bevor ein konkretes Verfahren gewählt wird, lohnt sich die Abgrenzung der beiden Prüfziele. Die Festigkeitsprüfung belastet eine Rohrleitung mit einem Druck oberhalb des zulässigen Betriebsdrucks und weist nach, dass Rohr, Schweißnähte und Bauteile dieser mechanischen Beanspruchung standhalten. Die Dichtheitsprüfung dagegen weist nach, dass unter Betriebsbedingungen oder einem definierten Prüfdruck keine relevante Leckage auftritt, unabhängig davon, ob die Festigkeit bereits gesondert nachgewiesen wurde. In der Praxis folgt die Dichtheitsprüfung meist auf die Festigkeitsprüfung oder wird mit ihr kombiniert durchgeführt, beide Nachweise haben aber unterschiedliche Kriterien: Bestehen bedeutet bei der Festigkeitsprüfung, dass keine bleibende Verformung oder kein Versagen auftritt, bei der Dichtheitsprüfung dagegen, dass eine zulässige Leckrate nicht überschritten wird. Wie Prüfdrücke und Prüfmedien für die Festigkeitsprüfung festgelegt werden, beschreibt der Beitrag zur Druckprüfung von Rohrleitungen.

Die Auswahl geeigneter Prüfverfahren für die Dichtheitsprüfung selbst regelt die Normenreihe um DIN EN 1779, die eine systematische Übersicht der Verfahren nach Anwendungsfall bereitstellt. Darauf aufbauend beschreiben Einzelnormen wie DIN EN 13184 das Druckänderungsverfahren, DIN EN 1593 das Blasenprüfverfahren und DIN EN 13185 das Tracergasverfahren im Detail. Diese Normenreihe hilft dabei, Prüfverfahren nicht nur nach Erfahrungswerten, sondern nach einem nachvollziehbaren, dokumentierbaren Auswahlkriterium festzulegen, was gerade bei Rückfragen einer Überwachungsstelle oder eines Auftraggebers hilfreich ist.

Verfahren der Dichtheitsprüfung Rohrleitung im Vergleich

Für die Praxis der Dichtheitsprüfung Rohrleitung stehen mehrere etablierte Verfahren zur Verfügung, die sich in Aufwand, Empfindlichkeit und Anwendungsbereich deutlich unterscheiden:

  • Druckabfallmessung (Druckänderungsverfahren): Die Leitung wird mit Luft, Stickstoff oder einem anderen Prüfgas beaufschlagt, anschließend wird der Druckverlauf über eine definierte Haltezeit aufgezeichnet. Ein Druckabfall über das durch Temperatur und Messtoleranz erklärbare Maß hinaus deutet auf eine Leckage hin. Das Verfahren ist einfach, kostengünstig in der Durchführung und eignet sich für die Gesamtprüfung eines Leitungsabschnitts, liefert aber keine Ortsangabe der Leckage.
  • Schaumbildner (Blasenprüfverfahren): Ein schaumbildendes Prüfmittel wird auf drucktragende Nähte, Flansche und Verschraubungen aufgetragen. An einer Leckage bilden sich sichtbare Blasen. Das Verfahren ist einfach, ortsaufgelöst und eignet sich gut zur Nachkontrolle einzelner Verbindungsstellen, ist aber auf zugängliche Stellen beschränkt und wenig empfindlich gegenüber sehr kleinen Leckagen.
  • Prüfgas mit Formiergas: Ein Gemisch aus Stickstoff und einem geringen Wasserstoffanteil wird als Prüfgas verwendet, die Lecksuche erfolgt mit einem für Wasserstoff empfindlichen Detektor. Das Verfahren kombiniert vertretbaren Aufwand mit einer im Vergleich zur reinen Druckabfallmessung deutlich höheren Empfindlichkeit und wird häufig bei Kälte- und Klimaanlagen sowie sicherheitsrelevanten Rohrleitungen eingesetzt.
  • Helium-Lecksuche: Die Leitung wird mit Helium beaufschlagt oder von außen mit einem Helium-Massenspektrometer abgesucht (Schnüffelverfahren) beziehungsweise unter Vakuum auf austretendes Helium geprüft. Helium hat als kleinstes chemisch inertes Molekül eine außerordentlich hohe Nachweisempfindlichkeit und gilt als eines der empfindlichsten industriell verfügbaren Verfahren, ist aber apparativ aufwendiger und teurer als die vorgenannten Methoden.
  • Ultraschall-Leckortung: Ausströmendes Gas erzeugt an einer Leckstelle hochfrequente Schallanteile, die mit einem Ultraschall-Detektor geortet werden können, auch bei laufendem Betrieb und ohne dass die Leitung dafür außer Betrieb genommen werden muss. Das Verfahren eignet sich besonders für die Leckageortung an Druckluftnetzen und für Kontrollen im laufenden Betrieb, liefert aber keine quantitative Leckrate.
VerfahrenEmpfindlichkeitOrtsauflösungTypischer Einsatzbereich
Druckabfallmessunggering bis mittelneinGesamtprüfung eines Leitungsabschnitts
Schaumbildnergering bis mitteljaNachkontrolle einzelner Verbindungsstellen
Formiergas mit Detektormittel bis hochjaKälte-, Klima- und sicherheitsrelevante Anlagen
Helium-Lecksuchesehr hochjaKritische, sicherheitsrelevante Systeme
Ultraschall-LeckortungmitteljaDruckluftnetze, Kontrolle im laufenden Betrieb

Das passende Verfahren für Ihre Anwendung wählen

Die Wahl des Prüfverfahrens richtet sich in erster Linie nach dem geförderten Medium, der geforderten Nachweisempfindlichkeit und den betrieblichen Randbedingungen. Für ungefährliche Medien in unkritischen Anwendungen genügt häufig eine Druckabfallmessung, ergänzt um eine gezielte Schaumbildnerprüfung an Flanschen und Verschraubungen, an denen sich Undichtigkeiten am ehesten zeigen. Bei gasförmigen Medien mit Gefährdungspotenzial, bei Anlagen mit hohen Anforderungen an die Leckrate oder bei kleinen Nennweiten mit sehr geringen zulässigen Leckraten ist dagegen ein empfindlicheres Verfahren wie die Helium-Lecksuche oder die Prüfung mit Formiergas angezeigt.

Für Druckluftnetze im laufenden Betrieb hat sich die Ultraschall-Leckortung als praxisnahes Verfahren etabliert, weil sie ohne Betriebsunterbrechung auskommt und auch schwer zugängliche Leitungsabschnitte erfassen kann. Wie sich Leckagen in Druckluftnetzen systematisch aufspüren und beheben lassen, beschreibt der Beitrag zum Finden und Beheben von Druckluftleckagen. Bei Rohrleitungen, die im Rahmen eines Anlagenstillstands ohnehin außer Betrieb genommen werden, lässt sich die Dichtheitsprüfung Rohrleitung meist wirtschaftlich in den bestehenden Prüfumfang integrieren, statt sie als separaten Termin zu planen. Wie ein solcher Stillstand insgesamt geplant wird, erläutert der Beitrag zur Planung von Anlagenstillständen und Turnarounds.

Bei überwachungsbedürftigen Anlagenteilen ist zudem zu beachten, dass Prüfverfahren und Abnahmekriterien häufig durch das anzuwendende Regelwerk oder durch die zugelassene Überwachungsstelle vorgegeben sind. In solchen Fällen sollte das Prüfverfahren nicht allein nach wirtschaftlichen Kriterien, sondern in Abstimmung mit den regulatorischen Vorgaben ausgewählt werden.

Auch die Zugänglichkeit der Prüfstelle spielt eine praktische Rolle. Liegen Schweißnähte oder Verbindungsstellen unter Dämmung, Verkleidung oder in engen Rohrbrücken, ist eine ortsauflösende Methode wie die Schaumbildnerprüfung oft nur mit zusätzlichem Aufwand für das Freilegen der Prüfstelle durchführbar. In solchen Fällen kann eine Kombination aus einer globalen Druckabfallmessung des gesamten Abschnitts und einer gezielten Nachprüfung nur der auffälligen Bereiche wirtschaftlicher sein als eine flächendeckende Detailprüfung von Beginn an.

Dokumentation und Wiederholungsprüfungen

Jede Dichtheitsprüfung Rohrleitung muss so dokumentiert werden, dass sie im Nachhinein nachvollziehbar und einer eindeutigen Leitungsposition zuordenbar ist. Zu einem vollständigen Prüfprotokoll gehören mindestens:

  • Prüfverfahren und Prüfmedium mit Angabe der eingesetzten Geräte und Nachweisgrenze
  • Prüfdruck, Haltezeit und gemessene Werte, bei der Druckabfallmessung inklusive Temperaturkorrektur
  • Ergebnis je Prüfabschnitt oder Prüfstelle, mit eindeutiger Positionsnummer
  • Datum, Prüfer und gegebenenfalls Zeugnis der beteiligten Prüfstelle
  • Bezug zur zugrunde liegenden Norm oder Werksnorm

Diese Nachweise sind nicht nur für die Erstabnahme relevant, sondern auch Grundlage für spätere wiederkehrende Prüfungen. Bei sicherheitsrelevanten oder überwachungsbedürftigen Rohrleitungen sind wiederkehrende Dichtheitsprüfungen in festgelegten Intervallen vorgeschrieben, die sich nach Medium, Betriebsbedingungen und der jeweiligen Einstufung richten und im Einzelfall zu prüfen sind. Ein vollständiges, positionsscharfes Prüfprotokoll erleichtert diese Folgeprüfungen erheblich, weil sich Ergebnisse über mehrere Prüfzyklen hinweg vergleichen lassen und Trends, etwa eine allmählich zunehmende Leckrate, frühzeitig erkennbar werden. Wie sich solche wiederkehrenden Prüfungen organisatorisch einbinden lassen, beschreibt der Beitrag zur Inspektion und wiederkehrenden Prüfung von Rohrleitungen.

Häufige Fragen

Welches Verfahren eignet sich für sehr kleine Leckagen?

Für die höchste Nachweisempfindlichkeit hat sich die Helium-Lecksuche etabliert, da Helium aufgrund seiner geringen Molekülgröße auch feinste Leckagen anzeigt, die mit Druckabfallmessung oder Schaumbildner nicht mehr sicher erkennbar wären. Bei geringeren Anforderungen an die Empfindlichkeit reicht häufig bereits die Prüfung mit Formiergas und einem entsprechenden Detektor aus.

Kann die Dichtheitsprüfung Rohrleitung die Druckprüfung ersetzen?

Nein, beide Prüfungen verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich. Die Festigkeitsprüfung weist die mechanische Belastbarkeit nach, die Dichtheitsprüfung weist nach, dass keine relevante Leckage auftritt. Für eine vollständige Abnahme sind in der Regel beide Nachweise erforderlich, häufig in einem gemeinsamen Prüfgang.

Wie oft muss eine Dichtheitsprüfung wiederholt werden?

Die Intervalle für wiederkehrende Dichtheitsprüfungen hängen vom Medium, der Anlagenklasse und den jeweils anzuwendenden Regelwerken ab und sind im Einzelfall zu ermitteln, etwa in Abstimmung mit der zuständigen Überwachungsstelle oder anhand betrieblicher Vorgaben. Bei sicherheitsrelevanten Systemen sind die Intervalle in der Regel enger als bei unkritischen Anwendungen.

Ist eine Ultraschall-Leckortung auch bei laufendem Betrieb möglich?

Ja, das ist einer der wesentlichen Vorteile dieses Verfahrens. Weil die Ortung über die hochfrequenten Schallanteile ausströmenden Gases erfolgt, muss die Anlage für die Prüfung nicht außer Betrieb genommen werden, was sie besonders für regelmäßige Kontrollen von Druckluftnetzen geeignet macht.

Dichtheitsprüfung mit MKH umsetzen

MKH Process Piping Systems führt Dichtheitsprüfungen an Rohrleitungen mit dem für Medium und Anforderung passenden Verfahren durch, von der Druckabfallmessung bis zur Helium-Lecksuche, inklusive vollständiger Prüfdokumentation. Beschreiben Sie uns Ihre Anwendung über das Kontaktformular, einen Überblick über unser Leistungsspektrum im Rohrleitungsbau finden Sie unter Rohrleitungsbau.