Schweißtechnik

MAG- oder WIG-Schweißen? Verfahren im Vergleich

Ob eine Rohrnaht von Hand mit dem WIG-Brenner gelegt oder mit dem MAG-Verfahren zügig gefüllt wird, beeinflusst Nahtgüte, Tempo und Kosten einer Anlage gleichermaßen. Beide Verfahren zählen zum Schutzgasschweißen, arbeiten aber nach unterschiedlichen Prinzipien und haben jeweils klare Stärken. Dieser Ratgeber stellt MAG- oder WIG-Schweißen sachlich gegenüber und zeigt, wann welches Verfahren im industriellen Rohrleitungsbau die richtige Wahl ist.

Zwei Verfahren, ein gemeinsames Prinzip

Beim WIG- und beim MAG-Schweißen schützt ein Schutzgas das Schmelzbad vor der umgebenden Atmosphäre. Der entscheidende Unterschied liegt in der Elektrode und damit in der gesamten Wärmeführung.

  • WIG (Wolfram-Inertgas, international TIG): Der Lichtbogen brennt zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkstück. Das Schutzgas ist inert, in der Regel Argon. Der Zusatzwerkstoff wird, wenn nötig, getrennt zugeführt. In der Verfahrensliste nach ISO 4063 trägt das handgeführte WIG-Schweißen die Ordnungsnummer 141 (Stand 2026, im Einzelfall prüfen).
  • MAG (Metall-Aktivgas): Hier ist die Drahtelektrode abschmelzend und zugleich Zusatzwerkstoff. Sie wird kontinuierlich nachgeführt, das Schutzgas enthält aktive Anteile wie Kohlendioxid oder Sauerstoff. Die Verfahrensnummern liegen bei 135 für Massivdraht und 138 für Metallpulver-Fülldraht; die inerte Variante MIG trägt die 131.

Aus diesem einen Unterschied, abschmelzende oder nicht abschmelzende Elektrode, leiten sich nahezu alle weiteren Eigenschaften ab: Abschmelzleistung, Nahtbild, Spritzerverhalten und die Eignung für bestimmte Wandstärken.

MAG-Schweißen: Tempo und Abschmelzleistung

Das MAG-Verfahren spielt seine Stärken überall dort aus, wo viel Schweißgut in kurzer Zeit eingebracht werden muss. Durch die kontinuierliche Drahtzufuhr lassen sich lange Nähte zügig und mit hoher Abschmelzleistung füllen, je nach Einstellung in einer Größenordnung von etwa 3 bis 8 kg pro Stunde.

Typische Vorteile:

  • hohe Schweißgeschwindigkeit, auf mittleren Wandstärken oft zwei- bis viermal schneller als WIG
  • gute Spaltüberbrückung auch bei weniger exakter Nahtvorbereitung
  • einfache Mechanisierung und Automatisierung bis hin zum Roboterschweißen
  • wirtschaftlich bei mittleren bis großen Querschnitten und langen Nähten

Grenzen des Verfahrens:

  • stärkere Spritzerbildung und damit mehr Nacharbeit als bei WIG
  • weniger geeignet für sehr dünne Wände unter etwa 1 mm
  • gröberes Nahtbild, das für Sichtnähte und hygienische Anwendungen oft nicht ausreicht
  • bei Edelstahl ist ein Schutzgas mit niedrigem Aktivgasanteil zwingend, sonst leidet die Korrosionsbeständigkeit

Im Rohrleitungsbau ist MAG vor allem auf dickwandigen, weniger kritischen Leitungen und in den Fülllagen zu Hause.

WIG-Schweißen: Präzision und Nahtgüte

Das WIG-Schweißen gilt als das präziseste Schmelzschweißverfahren. Weil die Wolframelektrode nicht abschmilzt, lassen sich Lichtbogen, Wärmeeintrag und Zusatzwerkstoff unabhängig voneinander und sehr fein dosieren.

Typische Vorteile:

  • sehr saubere, spritzerarme und gut kontrollierbare Nähte
  • hervorragende Wurzelqualität, entscheidend für dichte und korrosionsbeständige Rohrleitungen
  • gut geeignet für dünne Wände, hochlegierte Stähle sowie Nickel und Titan
  • ideal für Sichtnähte und für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie

Grenzen des Verfahrens:

  • deutlich geringere Abschmelzleistung und damit langsamer
  • höherer Aufwand und höhere Anforderungen an die Qualifikation der Schweißer
  • empfindlich gegen Zugluft, was im Freien zusätzliche Schutzmaßnahmen verlangt

WIG ist damit das Verfahren der Wahl, wenn Nahtgüte, Dichtheit und Korrosionsbeständigkeit über die reine Geschwindigkeit gestellt werden. Mehr zu Einstellgrößen und Schutzgasen finden Sie in unserem Leistungsbereich WIG-Schweißen.

Der direkte Vergleich

Die folgende Gegenüberstellung fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Sie ersetzt keine projektbezogene Verfahrensfestlegung, gibt aber die Größenordnungen vor.

KriteriumMAG (135/138)WIG (141)
Elektrodeabschmelzender Drahtnicht abschmelzende Wolframelektrode
Abschmelzleistunghoch, ca. 3 bis 8 kg/hniedrig
Schweißtempohochgering bis mittel
Nahtbild und Optikgröber, mehr Spritzersehr sauber, spritzerarm
Dünne Wände unter 1 mmbedingt geeignetgut geeignet
Wurzellage kritischer Nähteseltenerbevorzugt
Automatisierungsehr gutgut, etwas aufwendiger
Typischer EinsatzFülllagen, dickwandigWurzel, dünnwandig, Sichtnaht

Kurz gefasst: MAG punktet bei Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit, WIG bei Präzision und Nahtgüte.

Verfahrenswahl und Kombination im Rohrleitungsbau

In der Praxis stehen MAG und WIG selten in echter Konkurrenz, sie ergänzen sich. Eine bewährte Strategie im Rohrleitungsbau ist die Kombination: Die Wurzel wird im WIG-Verfahren gelegt, damit sie sauber, fehlerfrei und korrosionsbeständig ausfällt, die darüberliegenden Fülllagen werden bei größeren Wandstärken zügig mit MAG oder einem anderen leistungsstarken Verfahren eingebracht.

Für die Verfahrenswahl sind vor allem diese Faktoren ausschlaggebend:

  • Werkstoff und Wandstärke: dünnwandiger Edelstahl spricht für WIG, dickwandige Leitungen erlauben MAG in den Fülllagen.
  • Anforderung an die Naht: code-kritische Leitungen, etwa im Geltungsbereich der Druckgeräterichtlinie, verlangen häufig eine WIG-Wurzel und eine lückenlose Dokumentation (Stand 2026, im Einzelfall prüfen).
  • Stückzahl und Nahtlänge: lange, wiederkehrende Nähte sprechen für die gute Mechanisierbarkeit von MAG.
  • Zugänglichkeit und Position: Zwangslagen und beengte Verhältnisse sind eine Domäne des fein kontrollierbaren WIG-Verfahrens.

Die Kosten werden weniger vom Verfahren selbst als von den Folgekosten bestimmt. Wichtige Kostentreiber sind die reine Schweißzeit und damit die Lohnkosten, der Anteil an Nacharbeit durch Spritzer oder Nahtfehler, der Verbrauch an Zusatzwerkstoff und Schutzgas sowie der Aufwand für Qualifikation und Prüfung. Ein scheinbar langsameres WIG kann unter dem Strich günstiger sein, wenn es Nacharbeit und Ausschuss vermeidet. Welche Kombination für Ihr Projekt sinnvoll ist, planen wir im Rahmen eines durchgängigen Rohrleitungsbaus.

Häufige Fragen

Ist WIG immer besser als MAG?

Nein. WIG liefert die höhere Nahtgüte, ist aber langsamer und aufwendiger in der Ausführung. Für dickwandige, weniger kritische oder sehr lange Nähte ist MAG häufig die wirtschaftlichere und technisch ausreichende Lösung. Die richtige Wahl hängt von Werkstoff, Wandstärke und Anforderung ab.

Kann man Edelstahl mit MAG schweißen?

Ja, austenitischer Edelstahl lässt sich mit MAG schweißen, allerdings nur mit einem Schutzgas mit sehr niedrigem Aktivgasanteil. Zu viel Kohlendioxid oder Sauerstoff erhöht den Kohlenstoffeintrag und schädigt die Korrosionsbeständigkeit. Für Sichtnähte und hygienische Anwendungen bleibt WIG die erste Wahl.

Warum wird die Wurzel oft mit WIG geschweißt?

Die Wurzellage entscheidet über Dichtheit und Korrosionsbeständigkeit einer Rohrleitung. WIG erlaubt eine besonders feine Kontrolle des Schmelzbads und damit eine saubere, gleichmäßige Wurzel ohne Bindefehler. Anschließend kann bei dickeren Wänden auf ein schnelleres Füllverfahren gewechselt werden.

Was ist beim Kostenvergleich wichtig?

Entscheidend sind nicht die Stundensätze allein, sondern die Gesamtkosten je fertiger, geprüfter Naht. Dazu zählen Schweißzeit, Nacharbeit, Verbrauchsmaterial sowie Prüf- und Dokumentationsaufwand. Ein langsameres Verfahren mit weniger Ausschuss kann am Ende die günstigere Lösung sein.

MAG- und WIG-Schweißen aus einer Hand

Ob WIG-Wurzel, MAG-Fülllage oder die Kombination beider Verfahren: Die richtige Wahl entscheidet über Festigkeit, Dichtheit und Wirtschaftlichkeit Ihrer Rohrleitung. MKH plant und schweißt industrielle Anlagen mit qualifizierten Verfahren und sauberer Dokumentation. Schildern Sie uns Werkstoff, Wandstärke und Anforderung über das Kontaktformular, wir melden uns mit einer fachlichen Einschätzung.